UNESCO

Muzeum Żup Krakowskich Wieliczka

Geschichtsüberblick des Wieliczka Salzbergwerks

Das heutige Wissen über den Beginn der Salzindustrie in Polen ist ein Ergebnis gründlicher wissenschaftlicher Nachforschungen, die erst seit den 60. Jahren des 20. Jahrhunderts geführt werden. Die Publikationen von Archäologen und Historikern (insbesondere von S. Fischer, A. Jodłowski, A. Keckowa, J. Piotrowicz und J. Wyrozumski) wiesen nach, dass Kleinpolen der Standort der ältesten Salzsiedereien und später der ältesten Salzbergwerke war.
       Die Spuren der ältesten Salzsiederei für die Gewinnung von Salz aus Oberflächensolen stammen aus der mittleren Jungsteinzeit (3.500 Jahre v. Chr.). Sie wurden in Barycz bei Wieliczka entdeckt. In den historischen Zeiten, schon im 11. und 12. Jh. war Wieliczka der größte Salzsiedestandort in Kleinpolen, der das erste Mal in dem Dokument des päpstlichen Legaten Ägidius aus Tusculum, als Magna Sal, d.h. Großes Salz, erwähnt wird. Dieses Dokument wird von den Mediävisten auf das Jahr 1124/1125 datiert (das Jahr 1105, welches sich auf dem Dokument befindet, ist wahrscheinlich erst im 13. Jh. nachträglich angebracht worden).
       Die Entdeckung und der Beginn der Gewinnung der Steinsalzvorkommen in Bochnia erfolgte Mitte des 13. Jh. Dieser Fakt wurde in dem „Krakauer Kapitular-Jahrbuch“ unter dem Datum 1251 vermerkt – „Sal durum in Bochnia est repertum, quod nunquam ante fuit“ (In Bochnia wurde Hartsalz gefunden, das es vorher niemals gab). Aus dieser Zeit stammt der älteste Bergbauschacht (Förderschacht), der auf dem Hof der Salinenburg in Wieliczka gefunden wurde (derzeit, nach der Rekonstruktion des Umbaus, zugänglich für Besucher als archäologisches Bergbaureservat). Die Steinsalzgewinnung in industriellen Größenordnungen in Wieliczka beginnt mit dem Bau des Goryszkowski Schachts, der von den Historikern auf die 80. Jahre des 13. Jahrhunderts datiert wird.
       Die direkte Folge der Steinsalzgewinnung war die Verleihung von Stadtrechten an Bochnia im Jahr 1253 und Wieliczka im Jahr 1290. Die erste schriftliche Notiz über Steinsalz in Wieliczka enthält die Gründungsurkunde der Stadt von 1291. Die schnellen Fortschritte in der Steinsalzgewinnung bezeugt die Verleihung im Jahre 1291 des Rechts für Salzlagerung an die Stadt Auschwitz, durch die der Salzhandelsweg von Wieliczka nach Schlesien verlief. 
       Ende des 13. Jahrhunderts bildete sich das Unternehmen, das „Krakauer Salinen“ genannt wurde, heraus, welches die Salzbergwerke in Wieliczka und Bochnia sowie die dort befindlichen Salzsiedereien umfasste. In dieser Organisationsstruktur funktionierte es knapp 500 Jahre lang, bis zur Ersten Teilung Polens (1772), und war das größte Unternehmen in der Adelsrepublik von Polen-Litauen und gleichzeitig eines der größten in Europa.
       Salz war der wichtigste Bodenschatz im polnischen Staate und gemäß dem damals geltenden Recht war es das Eigentum des Herrschers (königliches Salzmonopol). Es wurde berechnet, dass zur Zeit der Herrschaft des Königs Kasimir des Großen (14. Jh.) die Gewinne aus dem Salzverkauf ein Drittel der Staatseinnahmen ausmachten. Das Goldene Zeitalter der Krakauer Salinen war das 16. Jh. und die erste Hälfte des 17. Jh. Die Bergmannschaft zählte zu der Zeit ca. 2.000 Mann und die Fördermenge betrug über 30.000 Tonnen. Im 17. Jh. wurde in Wieliczka das Salz aus drei Sohlen gefördert und es wurden acht Schächte abgeteuft (darunter der Daniłowicz-Schacht, der heute zu Tourismuszwecken dient). Es entstanden die ersten Karten des Salzbergwerks Wieliczka. Langwierige Kriege und begleitende Seuchen und Katastrophen erschütterten die Salzwirtschaft in der zweiten Hälfte des 17. Jh., und die Pächter, die die Salinen verwalteten, haben die Sicherungsarbeiten vernachlässigt und trieben das Bergwerk an den Ruin. Erst im nächsten Jahrhundert konnten die Fachleute aus Sachsen unter der Führung von J. G. Borlach das Unternehmen organisatorisch und technisch sanieren.
       Die österreichischen Zeiten (1772 - 1918) charakterisiert ein gewaltiger Produktionsanstieg, der den räumlichen Ausbau des Bergwerks in Wieliczka, Mechanisierung der Bergarbeiten (Dampf- und Elektromaschinen), Beschäftigung von Fachingenieuren und Absteckung der ersten Touristikroute zufolge hatte.
       1913 wurde eine moderne Salzsiederei eröffnet, die viele neue Arbeitplätze und die Perspektive der Produktionsentwicklung schuf, die in den Zwischenkriegsjahren konsequent realisiert wurde. Das damals neu eingeführte Verfahren des Untertagesalzauslaugens ermöglichte hohe Förderraten und die Verlängerung Bergbautätigkeit des Werkes. Die extensive Ausbeute und Versäumnisse bei der laufenden Sicherung hatten ungünstigen Einfluss auf die Stabilität des Bergs und der Bergwerksverfassung. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sogar die Idee auf, das Bergwerk zu fluten. 1964 wurde die Steinsalzförderung in Wieliczka eingestellt und am 30. Juni 1996 wurde der Abbau des Flözes vollständig aufgegeben. Gegenwärtig werden die malerischen Abbauräume des Bergwerks zu Touristik-, Museums- und Kurzwecken genutzt.
       Das Wieliczka Salzflöz umfasst einen Raum von 5,5 km Länge (Ost-West-Linie) und von 0,5 bis Breite (Nord-Süd). Über die sieben Jahrhunderte wurden in Wieliczka 26 Tageschächte und 180 Kleinschächte zwischen den einzelnen Sohlen abgeteuft. Mit dem Abbau wurde in der Sohle I (57 m untertage) begonnen und mit der Zeit bis zur Sohle IX (327 m Tiefe) ankommend. Es wurden 2.040 Kammern und über 200 Gänge ausgehöhlt. Trotz der Gefahren (Wasser, Einsturz, Gas) sind die Abbauräume im Wieliczka Bergwerk wesentlich standfester als in Erz- und Kohle-Bergwerken, deshalb konnten bis in unsere Zeiten Kammern, die am Ende des Mittelalters und Beginn der Neuzeit ausgehoben wurden, erhalten werden. Für den besseren Schutz des über 700 Jahre alten Salzbergwerks wurde eine Denkmalzone ausgesondert. Nach dem Stand von 2004 umfasst sie 218 Kammern und 190 Gänge in den Sohlen I – V, darunter 16, die für Besucher innerhalb der Touristikroute (Sohle I - III) zugänglich sind, und 14 im Museum der Krakauer Salinen (Sohle III). Das Grundziel der aktuell untertage geführten Bergarbeiten ist der Schutz der Denkmalsubstanz. Kammern der Touristikroute, des Museums und andere Kammern die im Bergwerk am wertvollsten sind, sind vor Einstürzen mit dem modernen Ankerverfahren gesichert, oder traditionell mit Holzkastenstützen. Das Salzbergwerk in Wieliczka hat den Status eines Denkmals und genießt rechtlichen Schutz. 1976 wurde es in das nationale Denkmalregister und zwei Jahre später in die erste UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes eingetragen. Kraft der Verordnung des Präsidenten der Republik Polen vom 8. September 1994 ist es als Geschichtsdenkmal anerkannt.

Literatur:
Studia i Materiały do Dziejów Żup Solnych w Polsce, t. I - XXIII – Studien und Materialien zu der Geschichte der Salinen in Polen, Band I – XXIII (1965 - 2003 r.),
Jerzy Wyrozumski, Państwowa gospodarka solna w Polsce do schyłku XIV w., - Staatliche Salzwirtschaft in Polen am Ander des 14. Jh.
"Zeszyty UJ - Hist.", z. 21, Kraków 1968;
Antonina Keckowa, Żupy Krakowskie w XVI - XVIII wieku (do 1772 r.) – Krakauer Salinen im 16.-18. Jahrhundert (bis 1772),
Wrocław-Warszawa-Kraków 1969 r.;
Dzieje żup krakowskich – Geschichte der Krakauer Salinen, Wieliczka 1988;
Wieliczka dzieje miasta (do roku 1980) – Wieliczka Stadtgeschichte (bis 1980), Kraków 1990;
Zabytkowa Kopalnia Soli Muzeum Żup Krakowskich Wieliczka. Przewodnik – Denkmal-Salzbergwerk Museum der Krakauer Salinen Wieliczka. Führer, Wieliczka, 1992;
Antoni Jodłowski, Żupa Solna w Wieliczce – Saline in Wieliczka, Wieliczka 2000.


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